Ein Grabstein für Schwester Clara


Die Ursulinen gründeten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der ehemaligen Burg Geilenkirchen eine Stätte zur Betreuung, Erziehung und Ausbildung zunächst von Mädchen. Unter ihrer Leitung wurde den jeweiligen zeitgenössischen Anforderungen Rechnung getragen und eine Schule aufgebaut, die 1978 vom Bistum Aachen übernommen wurde.
Die Ursulinen blieben ihrer Wirkungsstätte sehr verbunden. Nach ihrem Tod wurden sie auf dem Gelände des Klosters und der Schule bestattet. So kommt es, dass in einem entlegenen Teil unseres Geländes ein Friedhof mit ca. 50 Gräbern zu finden ist. Auf den z. T. schon sehr verwitterten Grabplatten stehen die Namen derer, die es sich über eineinhalb Jahrhunderte zur Aufgabe gemacht hatten, an diesem Ort ihre Schützlinge für die Herausforderungen des Lebens fit zu machen. Sie gehören zur Geschichte unseres Schulortes, weshalb wir die Erinnerung an sie pflegen sollten.
Daher soll der Friedhof wieder in den Blick unserer Schulgemeinde gerückt werden. Stadt und Schule haben sich darauf verständigt und Aspekte der Pflege thematisiert. Bei einer gemeinsamen Begehung fiel auf, dass auf dem Grab der zuletzt verstorbenen Schwester Clara nur ein verwittertes Holzkreuz stand. Mit der Aufstellung ihres Grabsteins soll die Gelegenheit zur Erinnerung an die letzte an unserer Schule tätigen Ursuline verbunden sein.
Wer war Schwester Clara?
Sie wurde am 3. Juni 1923 in Mülheim an der Ruhr als Gertrud Luig geboren. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete sie als Sekretärin bei der Reichsbahn in Oberhausen. 1948 kam sie als Postulantin zu den Ursulinen nach Geilenkirchen, d. h. sie bat um Aufnahme in der Ordensgemeinschaft und absolvierte zunächst eine Probezeit vor Ort. 1949 wurde sie Novizin und änderte ihren Namen in Schwester Clara. Ab dieser Zeit widmete sie sich an verschiedenen Orten dem Studium ihrer zukünftigen Lehrertätigkeit in den Fächern Religion, Kunstgeschichte und Textilgestaltung. Am 27. Mai 1954 legte sie die „Ewige Profess“ ab. Von 1954 bis 1985 unterrichtete sie ihre Fächer an St. Ursula und ist daher noch vielen ehemaligen Schülerinnen bis heute in lebhafter Erinnerung.
Auch als Ruheständlerin lebte Schwester Clara gemeinsam mit einigen Mitschwestern weiterhin auf dem Schulgelände im Klostertrakt, der bis heute, auch wenn er nun einen Umbau in Klassenräume erfahren hat, den Namen weiterhin trägt.
Schwester Clara verließ 1998 mit den noch verbliebenen fünf Mitschwestern während der Umbauphase Geilenkirchen, um in ein Altersheim für Ordensleute in Dernbach zu gehen. Jedoch vermisste sie ihre alte Wirkungsstätte, weshalb sie 2004 nach Geilenkirchen zurückkehrte. Hier knüpfte sie an ihre Kontakte wieder an und besuchte bis ins hohe Alter immer wieder den Friedhof der Ursulinen und schulische Veranstaltungen jeglicher Art, weshalb sie auch für die Schülergenerationen nach ihrem Dienstende1985 im Schulleben präsent war. Als sie am 23. April 2021 verstarb, wurde ihr ausdrücklicher Wunsch erfüllt, auf dem Friedhof „ihres“ Klosters und „ihrer“ Schule die letzte Ruhestätte zu finden. Nun konnte mit freundlicher Unterstützung des Ordensreferates im Bischöflichen Generalvikariat Aachen das verwitterte Holzkreuz durch einen Grabstein für Schwester Clara ersetzt werden.
Der Friedhof auf unserem Schulgelände macht deutlich, wie sehr die Ordensfrauen sich mit ihrer Wirkungsstätte verbunden fühlten. Er bietet der Schulgemeinde die außergewöhnliche Chance, durch Pflege und damit gelebte Erinnerung Verantwortung für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.