Philosophie

Philosophie (c) Bischöfliches Gymnasium Sankt Ursula Geilenkirchen (Ute Haupts)

„Das Staunen, das Sich-Wundern ist der Anfang der Philosophie” (nach Platon: Theaitetos)

Was ist eigentlich „Philosophie“, was sind die Merkmale, was ist ihr eigentlicher Gegenstand? Die Philosophie, zu Deutsch „Liebe zur Weisheit“, beschäftigt sich mit den Fragen, die den Menschen, seitdem es ihn gibt, bedrängen und beschäftigen: Welches ist der Sinn des Lebens, falls es ihn überhaupt gibt? Was ist Gerechtigkeit? Was kommt nach dem Tod? Was ist gut, was ist böse? Gibt es einen Gott? Sind wir frei oder determiniert wie Roboter? Gibt es einen Unterschied zwischen Mensch und Tier, wenn ja, worin besteht er? …Im Laufe eines jeden menschlichen Lebens tauchen diese Fragen in unterschiedlicher Intensität auf, in der Regel an Schnittstellen des Lebens: Geburt eines Kindes, Tod einer nahestehenden Person, in Phasen von Angst und Einsamkeit. Es zeichnet den Menschen aus, dass wohl nur er darüber reflektieren kann.

Sind diese existentiellen Fragen überhaupt lösbar? Die Naturwissenschaft, die ja heutzutage einen hohen Stellenwert genießen, sind wichtig, aber schon von ihrem Selbstverständnis her können sie uns bei diesen Fragen nicht weiterhelfen: So hat natürlich ein Arzt das technische Wissen, wie man Sterbehilfe bei einem leidenden und todkranken Menschen vornimmt, aber dieses technische Wissen hilft einem nicht weiter bei der Frage, ob man diese vor nehmen darf oder sogar soll, so können Wissenschaftler und Techniker natürlich Atomkraftwerke bauen, aber dürfen sie das auch? Der Philosophieunterricht versucht, diese Themen bewusst, systematisch und fundiert anzugehen und nach Antworten auf die Fragen zu suchen.

Bei unserem Nachdenken machen wir uns selbstverständlich auch die Gedanken zu eigen, die berühmte und fähige Philosophen wie Plato, Aristoteles, Thomas von Aquin, Descartes, Leibniz, Nietzsche, Kant, Schopenhauer, Hegel, Heidegger und viele weitere schon gedacht haben; darauf zu verzichten wäre bei so lebensbestimmenden Fragen fahrlässig. Deshalb werden im Philosophieunterricht natürlich auch Texte gelesen. Dennoch besteht die Hauptarbeit in dem eigenen Nachdenken unter Berücksichtigung der Philosophiegeschichte.

Weitere Informationen

Eine Antwort auf die Komplexe der Philosophie gibt es sicherlich, und zwar genau nur eine: Entweder gibt es einen Gott, oder es gibt ihn nicht, entweder ist Sterbehilfe moralisch rechtens, oder sie ist es nicht. Ein Phänomen kann nicht beides gleichzeitig sein. Es ist vielleicht möglich, dass wir im Philosophieunterricht nicht unbedingt eine Antwort finden, aber es kann nicht sein, dass es keine Antwort gibt.

Die Vernunft ist unser Mittel, Antworten zu finden. Daher wird im Fach Philosophie gar nicht so schrecklich viel gelesen, natürlich auch, aber vornehmlich wird nachgedacht. Dabei kann nicht jeder so denken, was er will, und alles ist irgendwie richtig, vielmehr macht sich die Philosophie zunutze, dass es nur eine einzige Vernunft gibt, wir Menschen daran, vielleicht in unterschiedlichem Maße, Anteil haben, aber dass das, was für den einen vernünftig ist, es auch für den anderen ist. Wäre das nicht so, gäbe es zwischen den Menschen überhaupt keine Verständigung.

Man kann auch schlecht bezweifeln, dass die Vernunft nicht zur Wahrheit kommt, das wäre selbstwidersprüchlich (wenn ich behaupte, die Vernunft käme nicht zu einer Wahrheit, wäre diese Aussage ja eine solche: so kann überhaupt nicht gedacht werden, dass die Vernunft nicht prinzipiell wahrheitsfähig ist) und deshalb wird im Philosophieunterricht vernünftig nachgedacht. Und obige Fragen sind zu lösen, zumindest werden sie einer Lösung nähergebracht.

Die Philosophie unterteilt sich in unterschiedliche Disziplinen: Mit dem Weltganzen (oder auch dem sinnlich nicht Erfahrbaren) befasst sich die Metaphysik, mit dem Sein in seiner Gesamtheit die Ontologie; die Logik ist die Lehre vom richtigen Denken und von der Wahrheit, die Ethik vom richtigen Handeln, die Erkenntnistheorie vom Erkennen und seinen Grenzen, die Ästhetik vom Schönen. Von der Natur handelt die Naturphilosophie, von der Kultur die Kulturphilosophie, von der Geschichte die Geschichtsphilosophie, vom Staat die Staatsphilosophie, von der Sprache die Sprachphilosophie usw.

Philosophische Disziplinen sind also:

Metaphysik (Lehre vom nichtphysischen Sein)

Ethik (Lehre vom richtigen Handeln)

Ontologie (Lehre vom Sein)

Erkenntnistheorie (Lehre vom Erkennen und seinen Grenzen)

Ästhetik (Lehre vom Schönen)

Staatsphilosophie (Lehre vom gerechten Staat)

Naturphilosophie (Lehre vom Wesen der Natur)

Geschichtsphilosophie (Lehre von den Abläufen in der Geschichte)