Markt 1

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Theaterfahrten

Schüler, die unser Gymnasium nach acht bzw. neun Jahren Deutschunterricht verlassen, kennen in der Regel die großen Theaterhelden: Sie wissen, warum im Theben des König Öpidus die Pest ausbricht, was Faust mit Gretchen macht, dass Godot nicht kommen wird; sie haben mit Luise Millerin und Shen Te gelitten, über Biedermanns Blödheit gelacht und den Charakter vieler anderer Dramenfiguren genauer ergründet als den des besten Freundes. Sie kennen Theatergeschichte und Theatertheorie, - aber kennen sie das Theater?

Mit dem Drama verhält es sich wie mit der Musik: Wer nur die Noten sieht, erlebt nicht die Symphonie; und wer ein Drama nur liest, erfährt nicht, was Theater ist. Theatererlebnis und Theatergenuss gibt es nur dort, wo die lebendige, aktuelle Inszenierung gesehen, kritisiert und diskutiert werden kann.

Unsere Schüler aus Geilenkirchen und Umgebung haben aber kein Theater „direkt vor der Haustür“ wie die Schüler aus größeren Städten, wo ein Theaterbesuch ein organisatorisches Kinderspiel ist. Um so wichtiger muss es daher sein, dass auch unsere Schüler mit diesem Bereich des kulturellen Lebens vertraut werden, zumal die Bühnen der benachbarten bzw. erreichbaren Städte Aachen, Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach ständig bemerkenswerte Inszenierungen bedeutender Stücke der Weltliteratur aufzuweisen haben.

Daher sind seit vielen Jahren Theaterfahrten mit größeren Schülergruppen zur festen Einrichtung an unserer Schule geworden. Obwohl wir hin und wieder die Theater in Köln, Düsseldorf und Aachen besucht haben, ist doch die Bühne in Mönchengladbach-Rheydt – zumindest bis zu deren Umbau - mittlerweile unser „Haustheater“, weil dort nicht nur hervorragende Aufführungen geboten werden, sondern weil man dort auch sehr flexibel und großzügig auf unsere organisatorischen Probleme und Terminwünsche reagiert.

Theater hautnah erleben, das heißt für unsere Schüler: erfahren, dass Umgang mit Literatur Spaß macht und unterhaltend ist und Theater nicht nur für Leute in großer Abendgarderobe gemacht wird. Es bedeutet aber auch, sich auf eigenwillige Regieeinfälle oder auf Verfremdungen das Bekannten in Form gewagter Aktualisierungen einzulassen, wenn etwa - wie in der „legendären“ Aachener „Faust“-Inszenierung - die Studenten aus „Auerbachs Keller“ zu Fans von Alemannia Aachen umfunktioniert werden. Dass die Enttäuschung von Erwartungen das eigene Urteil in der Auseinandersetzung mit dem Stück schärfen kann, ist für viele Schüler eine wichtige neue Erfahrung. Die oftmals hitzigen Diskussionen im Anschluss an den Theaterbesuch wirken sich dann auch befruchtend und belebend auf die Beschäftigung mit Literatur im Unterricht aus.

Unsere Theaterfahrten finden bei den Schülern große Resonanz; meist reichen die bestellten Karten nicht aus, um alle Interessierten zu berücksichtigen. Dennoch müssen wir uns trotz des erfreulichen Interesses stets die Rosinen aus den Spielplänen picken, da der organisatorische und finanzielle Aufwand zu groß ist, um auch einmal bewusst das Risiko eines „Flops“ in Kauf zu nehmen.

Prinzip unserer Fahrten ist es, dass die Schüler freiwillig und aus Interesse teilnehmen, so dass sie immer ein diszipliniertes und engagiertes Publikum waren, - auch wenn einmal „harte Kost“ geboten wurde.

Während sich „unsere Theaterangebot“ vor allem an Oberstufenschüler richtet, versuchen wir auch Schüler der Mittelstufe anzusprechen, wenn es der Schwierigkeitsgrad des gespielten Stücks zulässt.

Wenn unsere Fahrten dazu beitragen, bei den Schülern das Bewusstsein für die kulturelle Leistung des Theaters zu wecken, kann es vielleicht auch gelingen, dem Theater auf Dauer neue Freunde zu gewinnen. In einer Zeit, in der vor allem das Überangebot des Fernsehens unsere Sehgewohnheiten prägt, kann und muss das Theater notwendige Gegenakzente setzen!